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Trauer nach einem Suizid

„Der Trauerprozeβ nach einem Suizid ist der Kampf um eine Möglichkeit sich zu verabschieden, nachdem die Tür geschlossen worden ist." (Viktoria Alexander)

Nach dem Suizid eines Angehörigen oder einer nahestehenden Person ist nichts mehr, wie es einmal war. Der Verlust tritt meistens unerwartet und plötzlich auf und läβt die Hinterbliebenen mit vielen Fragen und sehr unterschiedlichen Gefühlen zurück. In den ersten Tagen nach dem Suizid kann es sein, dass Hinterbliebene alles als sehr unwirklich wahrnehmen. Manche beschreiben es, als wären sie in Watte gepackt und würden die Aussenwelt nur gedämpft oder aus weiter Ferne mitbekommen. Gleichzeitig ist es ihnen meistens möglich, alle anstehenden Aufgaben zu erledigen. Es gibt Menschen, die sich nach einem Verlust wundern, wie sie es fertig bringen „einfach so weiterzumachen".

Diese Periode des Schock wird mit der Zeit abgelöst von einem Chaos von immer wiederkehrenden Gedanken und Gefühlen. Fragen, wie „Warum?" „Warum hat sie/er nicht mit mir über ihre/seine Not gesprochen?"„Hätte ich etwas bemerken können?" „Was hätte ich machen können?" „Hätte ich oder jemand anders den Tod verhindern können?"

Den Schmerz des Verlustes können Gedanken und Fragen nach dem Verlassensein, der Ratlosigkeit, der Verzweiflung, von Schuldgefühlen, Wut, Schuldzuweisungen und manchmal sogar von Erleichterung begleiten.

Trauer ist sehr individuell und hängt von vielen unterschiedlichen Aspekten ab. Die Art der Beziehung, eigene Erfahrungen mit früheren Verlusten, der gesellschaftliche und kulturelle Hintergrund, die Umstände des Todes beeinflussen den Umgang mit einem Verlust. Wie die Person zu Tode kam ist dabei ein Teilaspekt des Ganzen.

Nach dem Verlust eines Menschen durch Suizid haben die Angehörigen die gleichen Aufgaben, wie nach jedem anderen Verlust:

  • sie können es gar nicht glauben, was passiert ist und
  • sind mit der Zeit gezwungen den Verlust wahrzunehmen,
  • sie müssen sich ohne den Verstorbenen neu zurechtfinden,
  • und lernen ihre Wege ohne ihn gehen

Menschen trauern sehr unterschiedlich, aber die meisten erleben ihre Trauer als Pendeln zwischen Kummer, Sehnsucht und Leere einerseits und Verdrängung, Ablenkung und Nach-vorn-Denken andererseits. Manchmal fragen sich Trauernde, wie es möglich ist, daβ sie sich wieder freuen können und dann wieder sehr traurig sind über den Verlust. Dieses Auf-und-ab ist für sie selbst, aber auch für das Umfeld sehr verunsichernd. Auf der Suche nach Möglichkeiten mit einem Verlust umzugehen, ist es aber ganz normal.

Was ist besonders zu beachten bei Trauer nach einem Suizid?

Ein Verlust durch Suizid wird meistens als plötzlich und unerwartet erlebt und der Schock für Hinterbliebene ist dementsprechen groβ.

Ein natürlicher Tod wird oft als Schicksalsschlag erlebt, wohingegen ein Suizid als Zurückweisung oder Kränkung erlebt werden kann (War ich ihm/ihr nicht gut genug?).

Gefühle von Ratlosigkeit (Warum?), Wut (Warum hat sie/er mir das angetan?), Schuld (Hätte ich etwas bemerken können?), Scham (Was denken die Anderen?) die in jeder Trauersituation vorkommen können, überwiegen häufig nach einem Suizid.

Es kann passieren, daβ dadurch die eigentliche Trauer um die verstorbene Person überdeckt wird.

Hinterbliebene eines Suizides bekommen weniger soziale Unterstützung. Die Frage nach der Vorhersehbarkeit oder Verhinderung eines Suizids stellen sich nicht nur Angehörige, sondern auch das Umfeld der Betroffenen. Dadurch kann es zu direkten, angedeuteten, oder vermuteten Vorwürfen und Schuldzuweisungen kommen, die den sozialen Rückhalt der Trauernden einschränken. Auch Freunde und Bekannte sind oft unsicher, wie sie das Thema ansprechen können und wie sie mit den Hinterbliebenen umgehen sollen.

Wie können Sie helfen?

  • Indem Sie sich zum Trauernden setzen.
  • Sie können der betroffenen Person „Ihr Ohr leihen"-Ihr die Möglichkeit geben, über die Situation, über die verlorene Person und Ihre Gefühle und Reaktionen zu sprechen.
  • Erlauben Sie individuelle Trauer (Tränen, den Ausdruck von Wut, Schuldgefühlen, Scham, Erleichterung...) und Sie können ermutigen diese Gefühle auszudrücken (durch sprechen, schreiben, malen, tanzen, boxen...)
  • Haben Sie Geduld!
  • Erlauben Sie sich Nichts-zu-wissen. Der Betroffene ist der Experte für seine Gefühle und Bedürfnisse.
  • Nehmen Sie eigene Bedürfnisse ernst. Begleiten Sie die trauernde Person zu einer anderen Einrichtung, wenn Sie nicht selbst für sie da sein können.

Professionelle Hilfe sollten Betroffene aufsuchen,

  • wenn Sie den Eindruck haben, daβ es Ihnen auch nach längerer Zeit nicht gelingt, wieder am Leben teilzunehmen,
  • wenn Sie keinen Sinn mehr im Leben sehen,
  • wenn Schuldgefühle andauern,
  • Ihnen selber etwas nicht normal erscheint oder
  • Sie Unterstützung brauchen, die Ihnen Ihr Umfeld nicht geben kann

Der Tod reißt eine Wunde, die Zeit, Geduld und Pflege braucht, um heilen zu können und hinterläβt möglicherweise für immer eine Narbe.