Welche Vorurteile gibt es über Suizid?
Suizid ist ein Thema, das immer noch voller Tabus und Vorurteile steckt. Offen und einfühlsam darüber sprechen, die wahren Risikofaktoren verstehen und Vorzeichen erkennen, kann jedoch wirklich Leben retten.
Lasst uns klären, was richtig und was falsch ist.
Falsch
Über Suizid sprechen gibt der betroffenen Person einen Anstoß, zur Tat zu schreiten.
Richtig: Studien zeigen stattdessen, dass die direkte Frage („Denkst du an Suizid?") das Risiko nicht erhöht, sondern dazu beitragen kann, die Ausführung des Gedankens zu verhindern, weil die betroffene Person das Gefühl hat, gehört und unterstützt zu werden.
Wie beginnen wir das Gespräch mit einer Person, um die wir uns Sorgen machen? →
Falsch
Personen, die über Suizid reden, schreiten nie zur Tat.
Richtig: Alle Drohungen und Signale müssen ernst genommen werden. Die meisten Menschen, die durch Suizid sterben, haben durch Vorzeichen (Worte, Verhaltensänderungen) aufmerksam gemacht. Es ist unerlässlich, solche Vorzeichen ernst zu nehmen.
Falsch
Wenn es jemandem nach einer Krise besser geht, gibt es kein Risiko mehr.
Richtig: Manchmal kann eine plötzliche Verbesserung der Stimmung darauf hinweisen, dass die Person eine Entscheidung getroffen hat (und nicht, dass es ihr besser geht). In einem solchen Moment kann ein hohes Risiko bestehen. Weiterhin da sein und unterstützen ist unentbehrlich.
Falsch
Suizid ist eine impulsive Handlung ohne Vorsatz.
Richtig: Häufig ist Suizid das Ergebnis von lang andauerndem Leid. Manche Menschen denken seit Monaten oder sogar seit Jahren daran. Ein bestimmtes Ereignis (Trennung, Verlust des Arbeitsplatzes usw.) kann jedoch manchmal die Suizidhandlung auslösen. Das Erkennen von Vorzeichen wie Rückzug, negative Äußerungen oder Verhaltensänderungen kann Leben retten.
Falsch
Nur Menschen mit psychischen Störungen begehen Suizid.
Richtig: Psychische Störungen (wie Depression, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit) gehören zwar zu den Risikofaktoren für Suizid, allerdings sind viele Menschen mit Suizidgedanken keineswegs psychisch krank. Suizidgedanken können jeden treffen und sind unabhängig von psychischen Störungen.
Falsch
Die Absicht, durch Suizid zu sterben, ist ein Zeichen für Feigheit, Mut oder Egoismus.
Richtig: Suizid hat nichts mit Feigheit, Mut oder Schwäche zu tun. Der Leidensdruck ist vielmehr so intensiv, dass die Person keinen anderen Ausweg mehr sieht und die Hoffnung auf die Zukunft verliert. Das ist keine freie Entscheidung, sondern spiegelt große Hilflosigkeit wider. Urteile von Außenstehenden verschlimmern nur die Scham und Einsamkeit und verhindern häufig, dass die Person um Hilfe bittet.