Reagieren
Wenn du bei einer nahestehenden Person Warnsignale erkannt hast, ist es oft schwierig zu wissen, was du tun kannst. Ein Gespräch mit der Person über Suizid bringt diese weder auf den Gedanken noch steigert es die Absicht, Suizid zu begehen - im Gegenteil: ein Gespräch kann beruhigen und Leben retten.
Wie wir das Thema ansprechen: →
Deine Anwesenheit und deinen Beistand zeigen
- Erläutere der Person, dass du an ihr hängst und dass sie für dich wichtig ist.
- Hilf der Person, ihr Selbstvertrauen wiederzugewinnen: das Umfeld ist häufig ein Schutzfaktor.
- Höre zu, ohne zu urteilen und ohne zu unterbrechen, und versuche nicht, alles zu verstehen.
- Sprich offen über Suizidgedanken: die Frage zu stellen, kann ein Gespräch einleiten und einen sicheren Gesprächsraum öffnen.
Unmittelbare Gefährdung einschätzen
Suizidgedanken müssen immer ernst genommen werden.
Falls die Person einen genauen Plan (wie, wo und wann) und die Mittel zur Ausführung hat: ruf unverzüglich die 112 an
Weitere Einzelheiten über Risikobewertung: Darüber reden.
Zusammen mit der Person einen Sicherheitsplan erstellen
- Frage die Person, was ihr helfen könnte, in Sicherheit zu bleiben, bis sie fachliche Beratung in Anspruch nimmt.
- Überprüfe, ob die Person Zugang zu tödlichen Mitteln (Waffen, Arzneimittel, ...) hat, und hilf ihr, diese zu entfernen oder außerhalb ihrer Reichweite zu bringen.
- Schränke den Zugang zu Alkohol, Drogen und Medikamenten ein.
- Identifiziert gemeinsam die Personen oder Orte, an die sich die Person im Krisenfall wenden kann (Freunde, Familie, Telefonseelsorge, Krisenzentrum).
- Notiere die Notfallnummern und die Nummer der Telefonseelsorge auf einem Zettel oder speichere sie im Telefon der Person.
Erstelle einen Sicherheitsplan mit KrisenKompass
Die kostenlose App „KrisenKompass“ kann dir bei der Erstellung einer Liste für dich oder eine andere Person helfen, um sich im Krisenfall besser zu fühlen oder Hilfe zu erhalten. Es handelt sich um eine Möglichkeit zur Ergänzung einer ärztlichen Beratung.
Zu professioneller Hilfe begleiten
- Schlage der Person vor, sie zu einem Arzttermin, zum Krisenzentrum oder zum Krankenhaus zu begleiten.
- Hilf ihr, einen Termin zu vereinbaren, und schlage ihr vor, während des Anrufs bei ihr zu bleiben.
- Ermuntere die Person, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen:
Soziale Beziehungen und Aktivitäten fördern
- Schlage Aktivitäten vor, die der Person früher gefielen (Sport, Freizeitaktivitäten, Ausflüge), um sie von ihren negativen Gedanken abzulenken.
- Ermutige sie sanft (ohne Druck) unter Leute zu gehen/ Leute zu treffen
- Biete ihr für Alltagsbesorgungen deine Hilfe an (Einkäufe, Erledigungen, Kinder).
- Achte auf sensible Zeitpunkte (Geburtstage, Todestage, prägende Ereignisse, die das Risiko erhöhen können).
Was du vermeiden solltest
- Den Schmerz der Person herabspielen („Das geht schon vorbei").
- Die Sache persönlich nehmen.
- Aus dem Thema ein Drama machen oder urteilen („Das ist feige").
- Allzu simple Ratschläge geben.
- Alles an Stelle der Person machen oder eine Antwort für alles geben wollen.
- Durchhalteparolen geben oder sich mit der Person vergleichen.
- Die Person in kritischen Momenten alleine lassen.
- Versprechen, immer verfügbar zu sein (sei ehrlich in Bezug auf deine Grenzen).
- Die Angelegenheit für dich behalten: du musst der Person verdeutlichen, dass du ihre Probleme nicht für dich behältst, um ihr zu helfen.